Land und Leute


Ehem. Schulleiter Theodor Ebner 90 Jahre
Fest verwurzelt mit den Menschen und der Natur im Bachlertal

Bei guter Gesundheit feierte in diesen Tagen der ehemalige Schuleiter Theodor Ebner aus Hofkirchen seinen 90sten Geburtstag. Zum Jubeltag gratulierten die Vertreter aus der Politik vertreten durch Stellv. Landrätin Christa Heisinger, 1. Bürgermeister Xaver Eggl und 3. Bürgermeister Manfred Grahl zum besonderen Ehrentag. BGR Josef Schmaißer, Pfarrer Bäuml und Pfarrer Bock wünschten alles Gute. Weihbischof Vinzenz Guggenberger übersandte seine Glückwünsche an den ehem. Rektor. Am Abend standen die Gratulanten auf dem Hof von Gerd Ebner in Oberholzen (Gemeinde Pönning) Schlange um dem rüstigen Jubilar zu beglückwünschen.

An der Hofstelle, wo er  vor 90 Jahren als dreizehntes von vierzehn Kindern geboren wurde, wollte Theodor Ebner auch seinen Geburtstag feiern. Er ist stolz darauf, auf einem Bauernhof das Licht der Welt erblickt zu haben und in einer natürlichen Umgebung aufgewachsen zu sein. Die Schule besuchte er von 1922 bis 1929 in Pönning. In einem einzigen Klassenzimmer war er unter 70 Schülern ein hoffnungsvoller Spross.

Danach folgte in der LBA (Lehrerbildungsanstalt) Straubing von 1929 bis 1935 die Ausbildung zum Lehrer. Der jugendliche Theodor empfand diesen Lebensabschnitt als eine sehr harte Zeit. Er konnte von Straubing aus fast seine Heimat sehen, aber heimreisen durfte er nur dreimal im Jahr. Um möglichst schnell seinen Lehrberuf antreten zu können absolvierte er den freiwilligen Wehrdienst anschließend im Ostpreußischen Königsberg. Danach war er Aushilfslehrer und Praktikant in Pönning, Perasdorf, Haberskirchen, Perkam, Niedermötzing, Biburg und Egglkam.

Als er dann Lehrer werden sollte, wurde 1937 die allgemeine Wehrpflicht ausgerufen und Theodor Ebner fand sich auf dem Fliegerhorst in Neubiberg wieder. Von 1938 bis 1939 war er der Flugabwehr zugeteilt und erlernte Abfangaufgaben im Flag-Scheinwerferregiment in Stettin. Als er nach dieser Ausbildung entlassen werden sollte, hieß es am frühen Morgen aus dem Reichsempfänger: "Seit 5 Uhr wird zurückgeschossen ...!" und Ebner wurde abkommandiert um im Westen das Vaterland gegen nachtfliegende Bomber zu verteidigen. Während der Kriegszeit wurde er zum Lehrer ernannt und gleichzeitig zum Schulleiter in Ottering. Aufgrund der Kriegswirren konnte er diese Stelle nie antreten. 1943 lernte er bei einem Einsatz in der Nähe von Osnabrück seine spätere Frau Ursula kennen. Am 3. Jan. 1944 wurde er in einer evangelischen Kirche in Jeggen getraut. Zum Kriegsende war seine Frau mit Sohn Rolf in Osnabrück und Theodor Ebner in Wien. Nach einer abenteuerlichen Flucht durch die Tschechei kam er wohlbehalten in Oberholzen an.


Theodor Ebner als Neugeborener in seiner Familie 1916

Nach dem Arbeitslager in Cham durfte er noch 1945 in die britische Zone zu seiner Familie nach Osnabrück reisen. Dort war er bis 1948 an einer Gesamtschule im Einsatz. 1947 wurde Sohn Gerd geborgen und dem Wohlwollen eines britischen Kommandeurs verdankt er die Genehmigung zur Heimreise nach Bayern. Als bayrischer Beamter begann er 1948 seinen Dienst in Perasdorf nördlich von Deggendorf. Die Schulleitung forderte dann 1950 seinen Einsatz in Hofkirchen. Als er seine Mutter fragte, wo denn Hofkirchen sei, so sagte die Bäuerin ganz selbstbewusst: "Bei Leitersdorf!", weil dorthin verwandtschaftliche Bande bestanden. Seine längste berufliche Aufgabe war dann als Schulleiter an der Grund- und Hauptschule Hofkirchen von 1950 bis zur Landschulreform 1969. Vorübergehend lehrte er in Grafentraubach und Bad Abbach, ehe er 1972 Schulleiter an der Grundschule in Feldkirchen wurde. Nach einer neunjährigen, beruflich sehr interessanten Dienstzeit ging er 1981 in den Ruhestand.

Mit seiner Familie bezog er 1972 sein neues Einfamilienhaus in Hofkirchen, indem er mit seiner Tochter und Enkel Thomas seinen Ruhestand geniest. 2002 musste er Abschied nehmen von seiner Ehefrau Ursula. Während er seine Tochter Barbara als "echte Bachlerin" bezeichnet, da sie in Hofkirchen geboren wurde, bezeichnet er seine beiden Söhne Rolf und Gerd oft scherzhaft als "halbe Preußen". Rolf Ebner lebt als erfolgreicher Tierarzt in Viechtach und Sohn Gerd ist in Straubing in einer Orthopädischen Gemeinschaftspraxis ein gefragter Fachmann.

Theodor Ebners Leidenschaft galt und gilt der Musik. Er wurde 2001 für 50 Jahre als Chorleiter des Kirchenchor Hofkirchen geehrt. Für die kirchlichen Hochfeste studierte er als Organist mit dem Kirchenchor unzählige Kirchenlieder ein. Höhepunkte waren vor allem die Priminzen der örtlichen Priester, aber auch die Fahnenweihen und andere Jubiläen. Gleichzeitig übte er mit seinem Chor auch bayrisches Liedgut ein.

Bei Theater-Vorstellungen in Hofkirchen fungierte er als Regisseur und der Laudator des Kirchenchores Hofkirchen Konrad Stadler wußte von unvergesslichen Aufführungen im Zusammenhang mit dem begabten Anton Unterreitmeier zu berichten. Mesner Konrad Stadler würdigte in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars, der in seiner 50jährigen Aktivität kulturelle Zeichen gesetzt hat, und den Chor geformt hat.

Auf dem Hof von Gerd Ebner in Oberholzen standen dann am Abend zu einer Feier die Gratulanten Schlange. Der Kirchenchor Hofkirchen unter der Leitung von Anna Roider  wünschte dem Jubilar musikalisch alles Gute und überreichte an den ehemaligen Chorleiter ein Geschenk. Theodor Ebner zeigte sich erfreut darüber, dass der Chor mit der Kirchenmusik-Studentin Anna Roider eine so engagierte und begabte Chorleiterin und Organistin hat. Mit weiteren Musikstücken bereicherte der Chor den Abend.

Sein Enkel beklagte, dass sich die Ansichten des Enkels und des Opas nicht immer deckten, und erzählte dazu einige Begebenheit aus dem Leben im Zusammenhang mit seinem Großvater. Dazu überreichte er ein Portrait des Jubilars mit dessen Profil in schwarz/weiß. Gleichzeitig informierte er das Familienoberhaupt über die Tatsche, dass er in naher Zukunft damit rechnen kann, Uropa zu werden.

Rolf Ebner berichtete als ältester der Ebner-Kinder in einem sehr amüsanten angelegten Vortrag über das schwere Los, ein Sohn eines Schulmeisters zu sein. Dabei berichtete er über so manche Anekdoten aus seiner Kinder und Schulzeit im Zusammenhang mit seinem Vater und den Geschwistern. Er zeigte in humoristischer Weise auf, welche Empfindungen er als Kind in der Familie des Lehrers hatte.

Zu den Gratulanten zählten natürlich auch die Bach-Vereine, in denen Theodor Ebner Mitglied ist. Über viele Jahre ist der Jubilar Mitglied bei den Krieger- und Reservistenkameraden Hofkirchen und bei den Edelweiß Schützen Haimelkofen. Seine ganz besondere sportliche Leidenschaft gilt dem Eisstockschießen bei den TSV Stockschützen. Darüber hinaus verfolgt der die Fußballspiele des TSV Hofkirchen, insbesondere mit seinem Enkel Thomas, sooft es geht. 

Wenn der naturverbundene "Herr Lehrer", wie er von vielen Bachlern noch heute gegrüßt wird, zurückblickt, dann bekennt er sich eindeutig zur ländlichen Schule. Denn auch diese Einrichtungen haben ausreichend "kluge Köpfe" hervor gebracht. Ein Lächeln schleicht über sein Gesicht, wenn er über die aktuelle Schulpolitik erzählt, die er in der Tagespresse aufmerksam verfolgt. Als er damals für Kombi-Klassen gekämpft hatte, hat die Politik anders entschieden. Heute ist die Kombi-Klasse nach dem Willen der Politiker der "neueste Hit" und die Eltern melden die Kinder in der Mehrzahl in diese vermeintlich neue Klassenform.

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